← Schwammregion Landkreis Kelheim
Besonderheiten unserer Region
Die Schwammregion Landkreis Kelheim liegt mitten im Herzen Bayerns im Regierungsbezirk Niederbayern und umfasst 21 Kommunen des Landkreises. Sie zeichnet sich aus durch Bereiche mit teils sehr unterschiedlichen geologischen Voraussetzungen, die wiederum vielfältige Herausforderungen mit sich bringen.
- Das tertiäre Hügelland, mit seinen Hanglagen, dem hohen Schluffanteil und Sonderkulturen wie Hopfen und Spargel, ist gekennzeichnet durch teils sehr hohe Erosionsanfälligkeit.
Hopfen mit Buchweizen-Untersaat - Im Bereich der Auenlandschaften, entlang der Flüsse Donau, Abens, Laber und Altmühl, mit ihren Niedermoorstandorten besteht die Gefahr der Austrocknung und Moormineralisierung durch sinkende Grundwasserstände.
Flussschleife der Abens - Auf der Jurahochfläche stellen der Karst und die reduzierte Pufferfähigkeit der gering-mächtigen Deckschichten eine große Herausforderung dar. Regenwasser versickert schnell durch Spalten, was zu Wasserknappheit trotz hoher Niederschläge führen kann und eine hohe Verunreinigungsgefahr beinhaltet.
Blick auf die Donau vom Michelsberg (Jura)
Durch die stark variierende Geologie und Geografie, das jeweilige Mikroklima und die unterschiedlichen Landnutzungsformen (z.B. hoher Anteil an Sonderkulturen), sind die Problemstellungen und die sich daraus ergebenden spezifischen Lösungsansätze sehr divers.
Handlungsfelder und Maßnahmenbereiche
Mit kleinen und größeren Maßnahmen versuchen wir den Landschaftswasserhaushalt in unserer Region nachhaltig positiv zu beeinflussen und den Landkreis klimafest zu gestalten. Durch die Vielseitigkeit und breite Streuung der Maßnahmen über die Handlungsfelder Landwirtschaft, Flur und Natur, Siedlungsbereich, Forstwirtschaft und Bildung, gelingt es, eine umfassende Wirkung zu erzielen.
Landwirtschaft
boden:ständig - Projekte
Die Intensivierung der Niederschlagsintensität und die damit verbundenen, zum Teil massiven Erosionsereignisse sind vor allem im erosionsanfälligen tertiären Hügelland problematisch. Aber auch bei niedrigeren Niederschlagsmengen kann es zu massiven Erosionsereignissen kommen, v.a. in vegetationsfreien Zeiten, nach Saatbettbereitung auf großen Schlägen, sowie in Sonderkulturen.
In boden:ständig-Projekten erfolgt die Entwicklung und Umsetzung von Erosionsschutzkonzepten zusammen mit Landbewirtschaftern, Kommunalvertretern und Fachleuten. Typische Maßnahmen sind hierbei unter anderem die Anlage von Rückhaltebecken und -mulden sowie begrünten Abflussrinnen, die Umlenkung bzw. Veränderung von Oberflächenwasserabflüssen und die Gestaltung von Rückstauflächen.
Rückhaltebecken bei Aiglsbach unterhalb eines Hopfenfelds
Humusaufbau in Acker und Grünflächen
Eine reduzierte Wasseraufnahmekapazität der Böden, z. B. durch Bodenverdichtung, Sonderkulturen unter Folie, usw.) resultiert ebenfalls in einem erhöhten Oberflächenabfluss. Eine gesunde Bodenstruktur, tiefe Durchwurzelung und guter Humusgehalt sind grundlegend für eine schnelle und tiefe Wasserinfiltration. Die Arbeitsgruppe „Kelheimer Humus-Tandem“ befasst sich u. a. mit Themen wie aktiver Humusaufbau und Wasserspeicherkapazität der Böden. Im Rahmen dieser Qualifizierungs- und Informationsinitiative werden, in Zusammenarbeit mit dem AELF, Arbeitstreffen zur erosionsmindernden Bodenbewirtschaftung organisiert und durchgeführt.
Eine gute Bodenstruktur ist Voraussetzung für optimale Wasserspeicherkapazität
Klimaoptimierte Pflege von Entwässerungsgräben und kleinen Fließgewässer
Die Pflege von Gräben sollte darauf abzielt, den Wasserrückhalt in der Landschaft zu verbessern, Hochwasser zu mindern und die Artenvielfalt zu fördern. Hierfür ist es wichtig, Eintiefungen zu verhindern, Aufweitungen anzulegen, Uferbereiche naturnah zu gestalten und den Eintrag von Sedimenten zu reduzieren. Statt einer vollständigen Räumung sollten nur die notwendigsten Arbeiten durchgeführt werden, um auch den ökologischen Wert und die Artenvielfalt zu erhalten.
Wir beraten die für den Gewässerunterhalt zuständigen Kommunen, organisieren Vor-Ort-Termine mit allen Beteiligten, halten falls nötig Rücksprache mit den Fachbehörden und erstellen Maßnahmenvorschläge für eine optimierte Pflege.
Grabenpflege mit Mähkorb
Landschaft
Ökologische Optimierung von Gewässern 3. Ordnung
Naturnahe Flüsse und Auen stärken den Wasserrückhalt durch natürliche Speicherfunktionen bei Hochwasser und die langsame Abgabe von Wasser in Trockenzeiten. Dies reduziert Hochwasserspitzen, schützt vor Dürre und erhöht die biologische Vielfalt. Natürliche Prozesse und eine verbesserte Strömungsdynamik tragen zur Selbstreinigung des Wassers bei.
Mit Hilfe von Renaturierungsprojekten und einer optimierten Pflege sorgen wir dafür, dass die natürliche Funktionalität von Fließgewässern erhalten bzw. wieder hergestellt wird.
Feckinger Bach im Winter
Ökologische Optimierung von wasserrückhaltenden Biotopen
Feuchtbiotope, wie Tümpel und Weiher, dienen dem Wasserrückhalt, indem sie Regenwasser auffangen, die Versickerung ins Grundwasser fördern und das Wasser den Pflanzen sowie der Tierwelt zur Verfügung stellen. Sie können auch bei Starkregenereignissen die Erosion verhindern und ein Austrocknen der Landschaft mildern. Neben der Verbesserung des Wasserhaushaltes schaffen diese wasserrückhaltenden Biotope wertvollen Lebensraum für Amphibien, Insekten und andere Tiere.
Gerade im trockenen Jurakarst bietet die Wiederherstellung und ökologische Optimierung von Himmelsweihern eine gute Möglichkeit den Oberflächenwasserabflusses in Talbereiche zu reduzieren und den Wasserrückhalt zu erhöhen. Zudem sollen die Weiher als wichtiger, seltener Biotoptyp auf der Jurahochfläche erhalten werden.
Himmelsweiher auf der Jurahochfläche
Sicherung von Niedermoorstandorten
Intakte Niedermoore speichern Nährstoffe und Kohlenstoff und leisten somit einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Zugleich stellen sie Lebensräume für zahlreiche seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten dar. In den Tallagen der Flüsse ist der Verlust an Niedermooren insbesondere durch die absinkenden Grundwasserstände zu verzeichnen. Drainagen und Entwässerungsgräben beschleunigen den Wasserabfluss in die Vorfluter. Damit verbunden ist auch der sukzessive Schwund an Feucht- und Nassstandorten mit deren typischer Flora und Fauna.
In den Niedermoorgebieten im Landkreis Kelheim gibt es viele Anstrengungen, diese besonderen Schwammlandschaften wiederherzustellen. Wasserstandregulierungen, beispielsweise durch Abflusssperren in Entwässerungsgräben und Ausleitung des Wassers in die Fläche, sollen zu einer Wiedervernässung der Flächen führen. Eine extensive klima- und naturschutzorientierte Beweidung wirkt sich positiv auf die Stabilisierung (Verhinderung der Mineralisierung) der Niedermoorstandorten aus.
Grabenanstauung im Niedermoorbereich bei Niederleierndorf
Siedlungsbereich
Wasser- und klimafreundliche Kommune
Die fortschreitende Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung sorgt für einen wachsenden Wasserbedarf und eine zusätzliche Versiegelung von Versickerungsflächen. Daher ist auch der Siedlungsbereich wichtig zur Verbesserung des Wasserhaushalts.
Im Vordergrund stehen beispielsweise die Förderung von Möglichkeiten zu Wasserinfiltration und Wasserrückhalt. Hinzu kommen Maßnahmen, wie die Begrünung von Dächern und Fassaden sowie die Beschattung von Flächen, welche sich auch bei Hitzeperioden positiven auf das Klima im Siedlungsbereich auswirken.
Sehr viele Gemeinden haben für Neubaugebiete entsprechende Regelungen beschlossen. Die größte Herausforderung liegt im Bestand.
Pflaster mit Fugenvegetation
Wald
Wiederherstellung von Gewässerbiotopen
Waldgewässer, wie Bäche und Tümpel, sind die Lebensadern des Waldes. Sie reinigen das Wasser, speichern Feuchtigkeit und bieten seltenen Tieren wie Amphibien ein Zuhause. Sie bilden natürliche Schwämme, die Regenwasser speichern und den Wald kühlen und vor Austrocknung schützen. Die Pflege und Wiederherstellung solcher Waldtümpel unterstützt den Wasserrückhalt ebenso wie die Grundwasserneubildung.
Bildung
Information und Bewusstseinsförderung
Um bestmöglichen Zuspruch und Unterstützung zu erfahren, müssen Bedeutung und Nutzen eines Projekts verständlich und nachvollziehbar sein. Durch verschiedene Informations- und Bildungsangebote möchten wir hierfür die Basis schaffen.
Fachvorträge und Schulungen, in Kooperation mit Vereinen und Fachbehörden, vermitteln Kommunen und Bauhöfen Hintergrundwissen sowie praktisches Knowhow für die Durchführung von Maßnahmen.
Die Kommunen der Schwammregion erhalten zusätzlich halbjährlich einen Infobrief, zum aktuellen Stand der angedachten, laufenden und abgeschlossenen Maßnahmen im Landkreis.
Informationsveranstaltungen zu bestimmten Themen (z.B. klimaresilienter Garten) und Umweltbildungsangebote schärfen das Bewusstsein für die grundlegende Anliegen und Ziele der Schwammregion und setzen Handlungsanreize.
Darüber hinaus bieten wir bei Fragen, Problemen und Vorhaben, die die Schwammregion Kelheim betreffen, den Kommunen, Landwirtinnen und Landwirten, ebenso wie alle weiteren interessierte Personen, eine individuelle Beratung mit Ortstermin an.
Bauhof-Schulung zum Unterhalt von Gewässern III. Ordnung