Zum Inhalt springen
Fluss mit neu gestalteter Uferzone im Rahmen der Gewässerrenaturierung umgeben von Bäumen und Wiesen.

Schwammregion Streu-Saale – Gemeinsam Wasser in der Landschaft speichern

← Schwammregion Streu-Saale

Besonderheiten unserer Region

Mitten im Herzen Deutschlands, im Dreiländereck von Bayern, Thüringen und Hessen, liegt die Schwammregion Streu-Saale. Sie umfasst große Teile des Landkreises Rhön-Grabfeld und gehört zu den trockensten Regionen Bayerns. Die Folgen des Klimawandels sind hier bereits deutlich spürbar: Lange Trockenperioden und eine sinkende Wasserverfügbarkeit führen zu Ertragseinbußen in der Landwirtschaft und zunehmenden Belastungen für Wälder, Gewässer und Kommunen. Gleichzeitig können Starkregenereignisse örtlich zu Überflutungen und Bodenerosion führen. Unsere Landschaft zeichnet sich durch vielfältige Natur- und Kulturräume aus. Landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wiesen, Wälder, Gewässer und zahlreiche Bäche und Täler prägen das Landschaftsbild. Zugleich unterscheiden sich die geologischen, topografischen und klimatischen Bedingungen innerhalb der Region deutlich. Während in den Hochlagen der Rhön vergleichsweise hohe Niederschlagsmengen fallen, zählt das Grabfeld mit seinen Regenschattenlagen zu den niederschlagsärmsten Regionen Bayerns. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Landnutzung: Die Rhön wird insbesondere durch artenreiches Grünland und Wälder geprägt, während das Grabfeld überwiegend ackerbaulich genutzt wird. Diese regionalen Unterschiede stellen besondere Anforderungen an den Umgang mit Wasser, bieten zugleich aber großes Potenzial für standortangepasste Maßnahmen zum Wasserrückhalt und zur Stärkung der natürlichen Speicherfähigkeit unserer Böden, Wäldern und Gewässern. Einzigartig ist das Konstrukt der Schwammregion Streu-Saale. Sie ist ein Zusammenschluss der drei Integrierten Ländlichen Entwicklungen (ILE) NES-Allianz, Allianz Fränkischer Grabfeldgau und Streutalallianz mit dem Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld. Gemeinsam bilden sie ein Bündnis von 33 Kommunen auf rund 950 Quadratkilometern und eines der größten interkommunalen Kooperationsprojekte dieser Art in Bayern.

Herausforderungen und Ziele

Die Schwammregion Streu-Saale steht vor der Herausforderung, mit den zunehmenden Gegensätzen zwischen Wasserknappheit und Starkregen umzugehen. Lange Trockenperioden und eine sinkende Wasserverfügbarkeit belasten insbesondere Landwirtschaft, Wälder und Gewässer. Gleichzeitig führen intensive Niederschlagsereignisse zu erhöhtem Oberflächenabfluss, Bodenerosion und lokalen Überflutungen. Eine besondere Bedeutung bekommen deshalb unsere Böden mit der Fähigkeit Niederschlagswasser aufzunehmen, zu speichern und zeitverzögert wieder abzugeben. Die Schwammregion Streu-Saale verfolgt das Ziel einer wassersensiblen und klimaangepassten Entwicklung von Landschaft und Siedlung. Im Mittelpunkt steht die Stärkung des natürlichen Wasserrückhalts – von der Verbesserung der Bodenstruktur und Wasserspeicherfähigkeit landwirtschaftlicher Flächen über den Rückhalt in Wäldern und Feuchtbiotopen bis hin zur ökologischen Entwicklung von Gewässern, Gräben und Auen. Auch in den Siedlungsbereichen sollen Möglichkeiten zur Rückhaltung, Versickerung und Nutzung von Niederschlagswasser stärker ausgeschöpft werden. Ein wichtiger Baustein ist dabei die gemeinsame Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen mit den Akteuren vor Ort. Unter dem Motto „Vernetzen, austauschen, umsetzen!“ bringt die Schwammregion Akteure zusammen, begleitet konkrete Vorhaben und unterstützt bei der Suche nach geeigneten Lösungen und Fördermöglichkeiten. Ziel ist es, aus guten Ideen sichtbare Praxisbeispiele zu machen und damit Schritt für Schritt eine schwammstarke Region Streu-Saale zu entwickeln.

Projekte unserer Region entdecken

Unsere Projekte tragen dazu bei, den natürlichen Wasserrückhalt zu stärken und die Region widerstandsfähiger gegenüber Starkregen, Hochwasser, Trockenperioden und sommerlicher Dürre zu machen. Ob in der Landwirtschaft, im Wald, an Gewässern oder in den Siedlungen – durch standortangepasste Maßnahmen soll Wasser möglichst lange in der Landschaft gehalten werden. Die vielfältige Landschaft zwischen Rhön und Grabfeld sowie entlang von Streu und Fränkischer Saale bietet hierfür zahlreiche Möglichkeiten. Gemeinsam mit Kommunen, Landwirtinnen und Landwirten, Waldbesitzenden, Verbänden, Fachbehörden und engagierten Bürgerinnen und Bürgern werden konkrete Maßnahmen entwickelt und umgesetzt.

Landwirtschaft

Gesunde Böden

Gesunde, humusreiche Böden mit stabiler Bodenstruktur und intensiver Durchwurzelung können Niederschlagswasser schneller aufnehmen und länger speichern. Gleichzeitig lässt sich dadurch der Oberflächenabfluss und damit das Risiko von Bodenerosion verringern.

Weitläufiges Feld mit Zwischenfruchtanbau unter blauem Himmel und Windrädern am HorizontZwischenfruchtanbau

Die Schwammregion unterstützt daher den Wissenstransfer zu wasserspeichernder und erosionsmindernder Bodenbewirtschaftung. Dazu werden unter anderem Praxisveranstaltungen und Feldtage organisiert und der Austausch mit landwirtschaftlichen Betrieben und Fachleuten gefördert. Auch das Thema Direktsaat und weitere bodenschonende Bewirtschaftungsverfahren soll in der Region stärker verankert werden.

Drei Personen stehen auf einem Getreidefeld, eine Person hält eine Bodenprobe in der Hand und zeigt sie den anderen beiden.Fachexperte Max Stadler betrachtet die Bodengesundheit gemeinsam mit Landwirt Gerhard Jäger und Umsetzungsbegleiterin Katharina Bach

Hecken und Gehölzstrukturen

Hecken und Gehölzstrukturen gliedern die Landschaft, bremsen den Oberflächenabfluss und schützen den Boden vor Erosion. Gleichzeitig fördern sie die Versickerung, wirken als Windschutz und schaffen wertvolle Lebensräume. Insbesondere in erosionsgefährdeten Bereichen können sie einen wichtigen Beitrag zum Wasserrückhalt und zur ökologischen Aufwertung der Landschaft leisten. Daher werden geeignete Standorte identifiziert und die Anlage neuer Hecken durch den Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld unterstützt und gefördert.

Frisch gepflanzte, junge Hecken in einer langen, geraden Reihe auf einem gepflügten Feld mit weiter Landschaft im Hintergrund.Frisch gepflanze Heckenreihe bei Wollbach

Netzwerkpartner: Landwirtinnen und Landwirte der Region, AELF Bad Neustadt a. d. Saale, BBV Rhön-Grabfeld, Agrokraft GmbH, Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld, Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld, Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken, Untere Naturschutzbehörde

Flur und Natur

Ökologische Optimierung von Gewässern und Gräben

Kleine Fließgewässer und Entwässerungsgräben können wichtige Funktionen für den Wasserhaushalt und die Biodiversität übernehmen. Eine angepasste Unterhaltung soll deshalb nicht nur den ordnungsgemäßen Wasserabfluss sicherstellen, sondern auch Möglichkeiten für Wasserrückhalt und ökologische Aufwertung nutzen. Die Schwammregion berät Kommunen und Gewässerunterhaltsträger bei der klimaangepassten Pflege. Dazu gehören beispielsweise die Vermeidung unnötiger Eintiefungen, die naturnahe Gestaltung von Uferbereichen, die Reduzierung von Sedimenteinträgen und die Schaffung kleiner Rückhalteräume und Aufweitungen. Vor-Ort-Termine mit Kommunen, Fachbehörden und weiteren Beteiligten helfen dabei, standortangepasste Lösungen zu entwickeln. Naturnahe Gewässer und Auen können Wasser bei Hochwasser zurückhalten und zeitverzögert wieder an die Landschaft abgeben. Gleichzeitig schaffen sie wertvolle Lebensräume und verbessern die ökologische Qualität der Gewässer. Mit Renaturierungs- und Aufwertungsmaßnahmen sollen natürliche Strukturen und Prozesse wieder stärker zugelassen und die Funktion der Gewässer als Teil des regionalen Wasserspeichers gestärkt werden.

Bach mit frischem Erdreich an den Ufern und grünen Pflanzen im Wasser vor einer Wiese und Baumreihe unter bewölktem HimmelRenaturierung der Milz bei Gollmuthshausen unter Verwendung natürlicher Materialien und ingenieurbiologischer Bauweisen

Netzwerkpartner: Kommunen und ihre Bauhöfe, Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen, Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld, Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken, Untere Naturschutzbehörde, Fischerei

Wasserrückhaltende Feuchtbiotope

Feuchtbiotope und Tümpel können Niederschlagswasser aufnehmen, die Versickerung fördern und in Trockenperioden als Wasserspeicher in der Landschaft dienen. Gleichzeitig entstehen wertvolle Lebensräume für Amphibien, Insekten und zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten. Die Schwammregion unterstützt daher die Anlage, Wiederherstellung und ökologische Optimierung solcher Biotope. Auch bestehende Strukturen sollen erhalten und hinsichtlich ihres Beitrags zum Wasserrückhalt weiterentwickelt werden. Wasserrückhaltende Biotope sind auf unterschiedlichen Flächen – etwa Wiesen, Äckern oder im Wald – möglich. Entscheidend sind geeignete Standortbedingungen, insbesondere ausreichend wasserhaltende Böden.

Grasbewachsene Fläche mit leicht unebenem Boden in einer offenen Landschaft vor Feldern und bewaldeten Hügeln unter blauem Himmel
Ausgangszustand der Fläche (bei Oberwaldbehrungen) vor der Maßnahmenumsetzung
Frisch angelegte Wasserfläche in einer offenen Landschaft mit Feldern und Hügeln im Hintergrund
Feuchtbiotop nach Maßnahmenumsetzung

Netzwerkpartner: Landwirtinnen und Landwirte, Kommunen, Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld, Untere Naturschutzbehörde

Siedlungsbereich

Auch die Siedlungsbereiche spielen eine wichtige Rolle für den regionalen Wasserhaushalt. Versiegelte Flächen verhindern die natürliche Versickerung und führen dazu, dass Niederschlagswasser schnell abgeleitet wird. Gleichzeitig steigt durch Hitzeperioden der Bedarf an Wasser und an kühlenden Grünstrukturen. Die Schwammregion unterstützt Kommunen daher auf dem Weg zu einer wassersensiblen Siedlungsentwicklung. Im Mittelpunkt stehen Möglichkeiten zur Rückhaltung, Versickerung und Nutzung von Regenwasser sowie Entsiegelung, Begrünung und Beschattung. Während für Neubaugebiete vielerorts bereits entsprechende Vorgaben bestehen, liegt eine besondere Herausforderung in der klimaangepassten Weiterentwicklung des Bestands. Auch private Eigentümerinnen und Eigentümer können einen Beitrag leisten. Die Veranstaltungsreihe „Wasserspeichern in Haus, Hof und Garten“ zeigte hierfür konkrete Möglichkeiten auf.

Tretbecken mit fließendem Wasser aus einem Fluss neben einem Spielplatz mit Klettergerüst und Rutsche.Tretbecken in Nordheim v. d. Rhön – gespeist von der Streu

Netzwerkpartner: Kommunen, Bauämter, Bauhöfe, (Gartenbau-) Vereine, Kreisgartenfachberatung, Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken, engagierte Bürgerinnen und Bürger.

Forstwirtschaft

Wälder übernehmen wichtige Funktionen für den Wasserhaushalt. Sie können Niederschlag aufnehmen, speichern und zeitverzögert wieder abgeben. Naturnahe Waldgewässer, Feuchtbereiche und Kleinstgewässer tragen zusätzlich zur Wasserspeicherung und Kühlung der Landschaft bei. Die Schwammregion informiert und vernetzt Akteure zu Möglichkeiten des Wasserrückhalts im Wald. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Anlage und ökologischen Aufwertung von Waldtümpeln und Feuchtbiotopen sowie auf der Nutzung bestehender Strukturen wie Grabentaschen. Diese Maßnahmen stärken den Wasserrückhalt und schaffen gleichzeitig wertvolle Lebensräume.

Ausgebreiteter, ausgehobener Graben im Wald mit erodiertem Boden und Bäumen im Hintergrund
Aufweitung eines Grabens im Gemeindewald Nordheim v.d. Rhön, um den Abfluss zu regulieren
Ein türkisfarbener Bagger steht während der Maßnahme auf einem freigeräumten, erdigen Waldstück mit hohen Bäumen im Hintergrund und errichtet ein Feuchtbiotop
Anlage von Feuchtbiotopen im Gemeindewald Nordheim v.d. Rhön

Netzwerkpartner: AELF Bad Neustadt, Forstbetriebsgemeinschaften und Waldkörperschaften, Privatwaldbesitzende, Kommunen, Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld, Jägerschaft, Untere Naturschutzbehörde, Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken

(Umwelt-)bildung

Ein nachhaltiger Umgang mit Wasser gelingt nur, wenn Wissen geteilt und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Die Schwammregion schafft deshalb Informations- und Bildungsangebote für Kommunen, Bauhöfe, Land- und Forstwirtschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit. Fachvorträge, Praxisschulungen und Informationsveranstaltungen vermitteln Wissen und praktische Handlungsmöglichkeiten. Auch die Umweltbildung nimmt einen wichtigen Stellenwert ein. Mit verständlichen Informationsangeboten und Projekten für Kinder und Jugendliche soll frühzeitig ein Bewusstsein für den natürlichen Wasserkreislauf und die Bedeutung eines nachhaltigen Umgangs mit Wasser geschaffen werden.

Bild1.png Bild2.jpg Bild3.png Bild4.png