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Schwammregionen in Bayern

Schwammregionen in Bayern

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Aktuelle Herausforderungen

Im Alltag ist es zu spüren: Das Wetter wird extremer. Auf der einen Seite erleben wir ausgetrocknete Böden, staubige Felder und schwindende Wasserreserven im Sommer. Auf der anderen Seite stehen wir plötzlich vor überfluteten Straßen und Kellern, weil lokale Starkregen in kurzer Zeit mehr Wasser bringen, als unsere Gräben und Kanäle aufnehmen können. Das Problem: Unsere heutige Landschaft hält das Wasser nicht mehr dort, wo es fällt – es fließt zu schnell und ungenutzt ab.

Genau hier liegt die Herausforderung, aber auch die Chance. Wasser macht an Grundstücks- oder Gemeindegrenzen nicht halt. Deshalb müssen wir unsere gesamte Umgebung – vom eigenen Garten über die Dorfplätze bis hin zu den riesigen land- und forstwirtschaftlichen Flächen, die über 80 % Bayerns ausmachen – wie einen riesigen Schwamm begreifen. Das Ziel ist, dass der Boden den Regen direkt vor Ort aufsaugt, speichert und in Trockenzeiten wieder abgibt. Das kühlt im Sommer die Siedlungen und sichert unsere Wasserversorgung.

Es fehlt uns dabei nicht an Ideen oder Wissen, wie man Wasser zurückhält. Was fehlt, sind die passenden Rahmenbedingungen, damit Gemeinden, Landwirte, Waldbesitzer und engagierte Bürgerinnen und Bürger unkompliziert zusammenarbeiten können. Denn jeder kann ein paar „Poren“ zu diesem großen Gemeinschaftsschwamm beisteuern. Um genau dieses Miteinander zu ermöglichen und lokale, praktische Lösungen zu realisieren, wurde das Aktionsprogramm „Schwammregionen in Bayern“ ins Leben gerufen.

Was sind Schwammregionen

In zehn Regionen in Bayern haben sich mehrere Kommunen zusammengetan, um miteinander ihre Region zum Schwamm zu machen: Gemeinsam mit ihrer Bevölkerung, mit den Land- und Forstwirten in ihrer Flur und weiteren Akteuren werden sie mit zahlreichen dezentralen Maßnahmen, die das Wasser wie ein Schwamm halten und langsam wieder abgeben, ihre Region klimafest aufstellen. Das bayerische Aktionsprogramm „Schwammregionen“ zielt darauf ab, dass Kommunen zusammen mit anderen lokalen Akteuren wasserrückhaltende Formen der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung entwickeln und wasserabflussbremsende Fluren gestalten. Auch Siedlungen sollen wesentlich wassersensibler als bisher weiterentwickelt werden. Das Aktionsprogramm setzt mit einem handlungsorientierten Ansatz gezielt auf die sogenannten „Pioniere des Wandels“ unter Gemeinden und weiteren Akteuren einer Region.

Dabei werden sie unterstützt durch die Verwaltung für Ländliche Entwicklung, die in allen zehn Regionen eine Umsetzungsbegleitung stellt – eine Person oder ein Team, das die vielen unterschiedlichen Akteure zusammenbringt und bei der Umsetzung von Maßnahmen unterstützt.

Möglichkeiten, das Wasser zu halten, gibt es viele – in den zentralen Themenfeldern der Schwammregion zum Beispiel:

Auf den land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen:

Alle Maßnahmen, die die Infiltration erhöhen, Abfluss und Erosion vermindern und damit den großen Speicher Boden verfügbar machen. Von angepassten Anbaumethoden wie Direkt- und Untersaaten bis zu Landschaftselementen und Mulden, in denen das Wasser Zeit hat zu versickern – und damit auch für die Pflanzen verfügbar bleibt.

In der Landschaft:

Wo gerade zwischen den Nutzflächen wichtige Abflussprozesse stattfinden, etwa in Wegseitengräben oder Tiefenlinien. Diese lassen sich bremsend gestalten, Wasser kann auf sog. „Eh-da-Flächen“ zwischengespeichert werden, und Landschaftselemente bereichern obendrein das Landschaftsbild und den Naturraum.

In den Siedlungen:

Entsiegelung und möglichst viel Siedlungsgrün – auf Plätzen und in Gärten, aber sogar auch an Wänden und auf den Dächern – hat mehrere Vorteile: Das Wasser, das hier gespeichert wird, bringt im Sommer obendrein Kühlung. Sportplätze können bei Bedarf vorübergehend zu Rückhaltebereichen werden, und auch in Zisternen und Rigolen kann Wasser in der Siedlung gehalten werden.

In den Köpfen:

Wasserrückhalt ist ein Thema, das bei so gut wie jeder raumwirksamen Planung und Entscheidung von Anfang an mitgedacht werden sollte. Der Punkt Bewusstseinsbildung ist daher ein wichtiger Aspekt der Schwammregionen.

Das Aktionsprogramm unterstützt gezielt ländliche Kommunen, die zusammen mit lokalen Akteuren eigeninitiativ und eigenverantwortlich ihre Dörfer und Fluren an die Folgen des Klimawandels anpassen wollen. Die zehn Schwammregionen in Bayern wurden im Rahmen eines Wettbewerbs ermittelt. Aus 27 Gemeindeverbünden, die in ihrem Gestaltungsbereich mit konkreten Maßnahmen eine klimaresiliente Entwicklung des regionalen Wasserhaushalts angehen wollen und sich mit durchdachten Konzepten beworben hatten, wurden 10 Gemeindeverbünde ausgewählt - insgesamt 144 Kommunen mit knapp 500.000 Einwohnern auf einer Fläche von ca. 4.500 km2.

Einen zentralen Ansatz des Aktionsprogramms stellt die übergemeindliche und fachübergreifende Zusammenarbeit das, die gemeinsam getragene Lösungen ermöglichen soll. Eine Umsetzungsbegleitung unterstützt die Akteure der Region dabei, die konkret machbaren Lösungen – wie die Poren eines Schwammes: große neben kleinen – auch tatsächlich in die Tat umzusetzen – denn Vorhaben und Pläne in der Schublade halten kein Wasser zurück. Dafür bringt sie Menschen zusammen, berät und unterstützt bei aufkommenden Fragen, findet Lösungswege und macht Erfolge sichtbar. Die Umsetzungsbegleitungen der zehn Schwammregionen sind untereinander vernetzt und stehen mit Genehmigungsbehörden, Fördergebern und anderen Stakeholdern im Kontakt. Vor allem sind sie Ansprechpartner für alle Menschen in der Region, die sich an der großen gemeinsamen Aufgabe beteiligen möchten, ihre Heimat wasserfest und klimafit zu gestalten. Weitere Informationen gibt es auf der Seite des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums